Betrachtungen zum Energiesystem der USA

Dr. Mario Corti, Ökonom, Mitglied Carnot-Cournot Netzwerk

Gedanken zum Spannungsfeld zwischen Energie und Umwelt

Der von Emanuel Höhener und Silvio Borner in der "Weltwoche" 03/19 vom 17. Januar 2019 publizierte Artikel "Kernkraft gegen Sonne" beeindruckte mich durch seine fundierte und klare Gedankenführung. Ich nahm Kontakt mit den Autoren auf – und trat in der Folge dem Carnot-Cournot Netzwerk bei. Physik und Oekonomie – und das Wirken illustrer Vertreter dieser Disziplinen wie eben Carnot und Cournot – haben mich mein ganzes Leben lang fasziniert.Der Artikel erinnerte mich daran, dass ich mich vor rund dreissig Jahren schon einmal recht intensiv mit dem Spannungsfeld zwischen Energie und Umwelt befasste. Ich war damals im Bundesamt für Aussenwirtschaft (BAWI) Stellvertreter von Franz Blankart. Als Delegierter des Bundesrates für Handelsverträge war ich im BAWI u.a. für Energiefragen zuständig; so hatte ich in der Internationalen Energieagentur in Paris, zusammen mit dem Vertreter des von Eduard Kiener geführten Bundesamts für Energie, die Interessen der Schweiz wahrzunehmen.Menschen fühlen sich in einmal gemachten Aussagen gerne bestätigt. Mein 1990 verstorbener Vater erlebte leider nicht mehr, wie wahr eine seiner Prognosen ausfallen sollte. Er war im letzten Weltkrieg – parallel zu seinem Aktivdienst – beruflich als Exportdirektor der damaligen Alusuisse tätig - und erlebte den Zusammenbruch Japans im August 1945 in Tschungking, China.

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz liess er seine Freunde und Bekannten wissen, dass weder die Europäer noch die Amerikaner auch nur annähernd erfasst hätten, welche Kraft in China und in den Chinesen stecke: China werde früher oder später einen gewaltigen Aufschwung erleben und mit den USA gleichziehen – oder diese Nation sogar überholen.Für seine helvetischen Zuhörer im Rotary-Club Solothurn war diese geradezu futuristische Kost schwer zu verdauen; einige Mitglieder führten seine – für damalige Begriffe geradezu tollkühne – Einschätzung der Dinge auf einen in den Tropen möglicherweise zu stark gefröntem Konsum von "Gin and Tonic" zurück. Lebte mein Vater heute noch, würde er sich selbstverständlich in seinen damaligen Aussagen mehr als bestätigt fühlen.Die meisten unter uns – ich gehöre auch dazu – führen kein Tagebuch. Täte man dies, wäre man zuweilen mehr als erstaunt, welche Weisheiten man einst zu kennen glaubte, und welche Dummheiten man vielleicht einmal vertrat. Zum Glück stösst man als "Tagebuchabstinent" ab und zu doch noch auf Dokumente, die man einmal tatsächlich verfasst hat, und von denen es kein Entrinnen mehr gibt - das Internet lässt grüssen. Bei mir war das in diesem Zusammenhang interessierende Dokument ein Referat, das ich am 26. Januar 1989 – also vor mehr als dreissig Jahren – an einem Geschäftsleitungsseminar des "Energieforums Schweiz" hielt, mit dem Titel "Die schweizerische Energiepolitik im internationalen Umfeld".

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