Wenn sich die Energie wendet…

Wenn wir uns Illusionen machen, müssen wir ihre Bedeutung verstehen.

Sofortige Dekarbonisierung um jeden Preis ist es, was Klimaaktivisten als absolute Priorität fordern. Sonst käme sehr bald der Kollaps der Zivilisation.

Wie siehe die Realität aus dieser Illusion aus?

Im Jahre 2018 wurden 11'744 Mtoe Fossilbrennstoffe (Kohle, Erdöl, Gaz) weltweit konsumiert, das ist eine thermische Energie von 136'484 TWh.

Nehmen wir an, dass diese Menge vollständig durch eine neue klimafreundlichere Primärenergie ersetzt wird; Wie viele Anlagen wird es benötigen, insgesamt und pro Tag, über 30 Jahre verteilt (für Klimaaktivisten sind 30 Jahre bereits ein gefährlicher Kompromiss)?

Die Antwort ist:

Entweder

  • Kernkraftwerke der neuesten Generation (EPR 1'600 MWe)
    11'000 Stückchen, ein (1,0) KKW müsste jeden Tag in Betrieb gesetzt werden.
    Installierte Stromerzeugungskapazität 17.3 TWe
    Flächenanspruch: 1'100 km2, gross wie Kanton Uri (weltweit verteilt)
    Investitionen 3'400 Milliarden US$ pro Jahr, 4.0% vom Welt-BIP

oder

  • Photovoltaik (PV), Industrie Grösse
    865'000 km2, jeden Tag 80 km2 mehr
    Installierte Stromerzeugungskapazität 130 TWe
    Flächenanspruch: >870'000 km2, gross wie Pakistan
    Investitionen 10'800 Milliarden US$ pro Jahr, 12.6% vom Welt-BIP

oder

  • Windturbinen, à je 3 MWe
    23.6 Millionen Anlagen, jeden Tag 5'782 Inbetriebnahmen
    Installierte Stromerzeugungskapazität 71 TWe
    Flächenanspruch: 1'200'000 km2, gross wie Südafrika
    Investitionen 3'100 Milliarden US$ pro Jahr, 3.6% vom Welt-PIB

In graphischer Form:

Ersatz Fossilien

Bitte beachten Sie die logarithmische Skala auf der linken Seite.

Wegen der Intermittenz von PV und Wind müssten dazu Speicherungsanalgen gebaut werden, deren Art und Grösse heute nicht dimensioniert werden können, trotz tausenden von Studien durch teure Experten. Kernkraft produziert stetig («Bandstrom») und braucht keine solchen Systemanpassungen.

Die grosse Differenz zwischen installierten Stromerzeugungskapazitäten findet ihre Ursache bei der tiefen Kapazitätsfaktoren von PV und Wind (durchschnittliche Zeit der Verfügbarkeit zu 100% äquivalent).

Die erforderlichen Investitionen sind enorm; ein Land namens Energy wäre die fünftgrösste Volkswirtschaft der Welt. Jedoch sind sie kaum zu vergleichen, da PV und Wind eine Lebensdauer von 25-30 Jahren haben, während Kernkraftwerke für 40-60 Jahre ausgelegt sind. Die Höhe der Summen erklärt wohl die Faszination für diese Maskerade.

Fossiltreibstoffe für die Produktion von Chemikalien und Kunststoffe sind in diesen Betrachtungen nicht berücksichtigt.

Diese Zahlen sind grobe Grössenordnungen und sicherlich falsch. Dennoch sind sie nützlich, um den illusorischen Charakter der angekündigten Energiewende zu beweisen.

Noch etwas nicht unwesentlich:
Solange die Fossiltreibstoffen nicht ersetzt sind, müssen Fossiltreibstoffe für den Bau von Nichtfossiltreibstoffsanlagen verwendet werden. ¿Entiendes?

Weitere Frage: welche Energieorientierte Firma wird in der Lage sein, über die nächsten 30 Jahren stets eine gute Dividende auszubezahlen? Oil & Gas oder sogenannte Erneuerbare, die es nicht sind?

Zur Erinnerung, ein französisches Beispiel:
Von 1978 bis 1989 nahm Frankreich 58 Kernkraftwerke mit einer Gesamtnennleistung von 50,46 GWe in Betrieb.   
Diese Leistung entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von 12,2 MW pro Tag in diesem Zeitraum.  
So sollte die ganze Welt ihre Nuklearkapazität 130-mal so schnell aufbauen wie damals in Frankreich, ohne Unterbrechung für 30 Jahre.      
Das aktuelle Welt-BIP ist 31 mal höher als das von Frankreich. Die ganze Welt sollte mehr als 4x schneller arbeiten als Frankreich seinerzeit.
Wenn "impossible" als unfranzösisch gilt, dann "rêver" auch. 

Schlussfolgerung: No we can’t!

 

Für pingelige Charaktere, die die zugrunde gelegten Hypothesen abändern möchten, steht eine Tabellenkalkulation zum Download bereit, ohne Gewähr.

(MR / 28.10.2019)